Eine aktuelle Studie des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) zu neuen Innovationsmodellen in der Schweiz zeigt, wie stark technologische Entwicklungen, neue Geschäftsmodelle und regulatorische Anforderungen miteinander verflochten sind (zur Studie – sbfi.admin.ch). Die Untersuchung hebt hervor, dass innovationspolitische Rahmenbedingungen zunehmend sektorspezifisch wirken – insbesondere in stark regulierten Branchen wie dem Finanzwesen. Für Banken und Finanzdienstleister bestätigt sich damit, dass regulatorische Rahmenbedingungen einen wichtigen Einfluss auf Innovationsprozesse haben. Die konkrete Ausgestaltung der Regulierung kann dabei sowohl die Richtung als auch die Geschwindigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit neuer Entwicklungen im Finanzsystem beeinflussen.
Regulierung zwischen Bremse und Treiber
Die Regulierung übernimmt damit eine doppelte Funktion. Einerseits können beispielsweise administrative Anforderungen, komplexe Genehmigungsprozesse und steigende Compliance-Kosten Innovationsaktivitäten bremsen. Andererseits kann ein klar definierter regulatorischer Rahmen stabilisierend wirken und Planungssicherheit schaffen. Insbesondere in technologiegetriebenen Bereichen des Finanzsektors kann regulatorische Klarheit dazu beitragen, neue Geschäftsmodelle zu legitimieren und Investitionen zu erleichtern.
Die SBFI-Studie verweist zudem darauf, dass der Umgang mit regulatorischer Komplexität selbst zu einem Innovationsfeld wird – etwa durch den verstärkten Einsatz von RegTech-Lösungen («Regulatory Technology»), die Compliance-Prozesse automatisieren und Kosten senken können.
Gleichzeitig zählt der Finanzsektor zu den am stärksten regulierten Branchen, was die Bedeutung regulatorischer Anforderungen für Innovationsprozesse zusätzlich unterstreicht. Neben klassischen aufsichtsrechtlichen Vorgaben spielen mitunter Regelungen im Bereich der Geldwäschereibekämpfung, der Kundenidentifikation sowie des Datenschutzes eine zentrale Rolle. Veränderungen in diesen Bereichen führen oft zu umfangreichen organisatorischen, technologischen und personellen Anpassungen innerhalb der Institute und erfordern etwa erweiterte Compliance-Kapazitäten oder neue spezialisierte Fachfunktionen. Dies kann die Entwicklung neuer Produkte oder digitaler Dienstleistungen verlangsamen und die Kosten für Innovationsprojekte erhöhen.
Standortfaktor Regulierung im globalen Wettbewerb
Vor diesem Hintergrund gewinnt die regulatorische Ausgestaltung zunehmend auch eine standortpolitische Dimension. Ein transparenter, kohärenter und technologieneutraler Regulierungsrahmen kann wesentlich zur Attraktivität des Finanzplatzes beitragen. Die Schweiz verfügt traditionell über ein regulatorisches Umfeld, das Stabilität und Innovationsfähigkeit miteinander zu verbinden versucht.
Laut Studie gilt die Kombination aus hohem Innovationspotenzial, funktionierenden Kooperationsnetzwerken und einer vergleichsweise flexiblen Regulierung als zentraler Standortvorteil. Gleichzeitig weisen Branchenvertreter darauf hin, dass steigende regulatorische Komplexität sowie internationale Divergenzen zwischen verschiedenen Aufsichtsregimen potenzielle Wettbewerbsnachteile erzeugen können. Für international tätige Finanzinstitute steigt damit der Aufwand, unterschiedliche regulatorische Anforderungen parallel zu erfüllen.
Ansätze zur Förderung von Innovation
Verschiedene regulatorische Ansätze zielen darauf ab, Innovationsprozesse zu unterstützen, ohne die Stabilität des Finanzsystems zu gefährden. Dazu gehören regulatorische Testumgebungen, sogenannte «Regulatory Sandboxes», in denen neue Technologien oder Geschäftsmodelle unter kontrollierten Bedingungen erprobt werden können. Darüber hinaus fördern Innovationstreffen und Austauschformate zwischen Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmern den Dialog über neue Entwicklungen. Ebenso gewinnen stärker risikobasierte und proportionale Regulierungsansätze an Bedeutung. Die SBFI-Studie hebt in diesem Zusammenhang den Ausbau von Kooperationsplattformen zwischen Behörden, Forschungseinrichtungen und Unternehmen als wichtigen Impuls für eine «adaptive Governance» hervor. Solche Instrumente können dazu beitragen, regulatorische Unsicherheiten zu reduzieren und gleichzeitig die Integrität und Stabilität der Finanzmärkte zu gewährleisten.
Fazit
Die Studie verdeutlicht, wie eng Innovationsprozesse und regulatorische Rahmenbedingungen im Finanzsektor aufeinander wirken. Für Banken und Finanzdienstleister bedeutet dies, regulatorische Entwicklungen noch konsequenter als Teil ihrer Innovationsstrategie zu verstehen. Die Balance zwischen Stabilität, Kundenschutz und technologischer Erneuerung wird dabei zunehmend zu einer zentralen Herausforderung für Finanzmarktaufsicht und Institute. Ein effizienter, transparenter und innovationsfreundlicher Regulierungsrahmen bleibt eine entscheidende Voraussetzung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes. Die SBFI-Studie unterstreicht in diesem Kontext, dass regulatorische Innovationsfähigkeit – also die Bereitschaft, Regulierungsprozesse selbst kontinuierlich zu modernisieren – zu einem strategischen Erfolgsfaktor werden könnte.
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Basis dieses Beitrags bilden die Studie «New innovation models in Switzerland» des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) (Link zur Studie – sbfi.admin.ch) sowie Ausführungen der Schweizerischen Bankiervereinigung (zur Mitteilung – swissbanking.ch).