Mit dem neuen EU‑AML‑Paket bricht für Europas Finanzwelt eine neue Ära an: Einheitliche Geldwäschereiregeln, schärfere Aufsicht und die neue Behörde AMLA (Anti-Money Laundering Authority) verändern das System ab 2027 grundlegend – mit spürbaren Folgen, auch für Schweizer Finanzintermediäre.
Neue Aufsichtsarchitektur
Das EU‑Paket umfasst insbesondere die neue AML‑Verordnung (AMLR), die 6. Geldwäscherichtlinie (AMLD6) und die Verordnung zur Einrichtung der Aufsichtsbehörde AMLA. Die meisten Bestimmungen gelten ab dem 10. Juli 2027.
Künftig werden Sorgfaltspflichten, KYC‑Prozesse und Organisationsanforderungen europaweit vereinheitlicht. Der Kreis der Verpflichteten wächst – neu gelten die Vorgaben auch für Krypto‑Dienstleister, Crowdfunding‑Plattformen und weitere Sektoren. Die AMLA übernimmt ein hybrides Mandat: Sie beaufsichtigt direkt besonders risikoreiche Finanzinstitute und Krypto‑Akteure und koordiniert zugleich die nationalen Aufsichtsbehörden.
Zentrale Neuerungen und Herausforderungen
Für Finanzdienstleister mit EU‑Nexus steigt der Aufsichtsdruck deutlich – mehr thematische Prüfungen, strengere Follow‑ups und einheitlichere Sanktionen. Das Reformpaket verschärft insbesondere die Customer Due Diligence (CDD) sowie Anforderungen an Transparenz und Datenmanagement.
Die Kernherausforderungen zeigen sich in folgenden Punkten:
- Strengere CDD: Einheitliche Regeln für Risikoanalysen und wirtschaftlich Berechtigte, präzisere Risikoklassen sowie klare Vorgaben für komplexe Strukturen und Hochrisikostaaten.
- Dichte Überwachung: Erweiterte laufende Kontrollen und Fristen (fünf Jahre für alle Kunden, jährlich für Kunden mit verstärkten Sorgfaltspflichten (EDD), daneben anlassbezogene Reviews).
- Mehr Transparenz: EU‑weite Register zu wirtschaftlich Berechtigten und Konten erfordern effizienten und sicheren Datenaustausch.
- Erhöhter Aufsichtsdruck: Die AMLA treibt Aufsichtskonvergenz, mehr Prüfungen und härtere Sanktionen voran; nationale Behörden ziehen nach.
Was ist jetzt zu tun?
Die mit dem neuen Regelwerk verbundenen zusätzlichen Anforderungen an Prozesse, Systeme und an die Zusammenarbeit mit europäischen Aufsichtsstellen erhöhen die operative Komplexität. Es gilt, bestehende Verfahren mit den künftig geltenden europäischen Standards zu harmonisieren. Besonders Institute mit Massengeschäft stehen vor grossen Zusatzaufwänden bei periodischen Reviews – diese werden ohne technische und KI‑gestützte Lösungen kaum zu bewältigen sein. Folgende Themen- bzw. Handlungsfelder müssen adressiert werden:
- Gap-Analyse: Bis Ende Q1/2026 die AMLR-Konformität prüfen (Daten, Prozesse, Systeme), anschliessend Priorisierung von Massnahmenbereichen in KYC, IT und Reporting.
- AML‑Roadmap: IT‑Systeme, Datenhaushalt und KYC‑Plattformen gezielt auf AMLR‑Konformität ausrichten, harmonisierte Policies entwickeln und „EU First“-Standards für Tochtergesellschaften definieren.
- IT‑Investitionen: KYC‑Plattformen upgraden, zentralen Datenhub für Register aufbauen und Vendor-Scans auf AMLA‑Konformität durchführen.
- Training & Governance: Cross‑Functional‑Teams aus Compliance, Legal und IT etablieren sowie ein strukturiertes Schulungskonzept entwickeln und ausrollen.
- Ressourcenmanagement: Temporäre Verstärkung für Regulatory Transformation, Financial Crime und Data Management bereitstellen.
Auch schweizerische Intermediäre sind betroffen
EU‑Töchter und EU‑Zweigniederlassungen von Schweizer Banken unterliegen direkt AMLR und AMLD6. Ihre Schweizer Mutterhäuser müssen gruppenweit einheitliche Standards durchsetzen – faktisch eine Annäherung an das EU‑Niveau. Um Inkonsistenzen zu vermeiden, sollten sie ein besonderes Augenmerk auf konsistente Prozesse legen.
EU‑Banken mit Schweizer Präsenz bewegen sich zwischen zwei Regelwelten: Sie müssen ihre AMLR‑basierten Systeme so gestalten, dass auch die Schweizer Vorgaben erfüllt bleiben.
Inländisch tätige Banken sind zwar nicht unmittelbar betroffen, doch Schweizer Finanzinstitute spüren den Druck über EU‑Partner, divergierendes Recht und ein schwindendes Level Playing Field. Mittelfristig dürfte die Schweiz auf regulatorische Konvergenz setzen – aus Wettbewerbs‑ und Marktzugangsgründen.
Fazit
Das europäische AML‑Reformpaket markiert einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel in der Bekämpfung von Finanzkriminalität. Mit der Harmonisierung von Sorgfaltspflichten, Datenanforderungen und Aufsichtsprozessen entsteht ein einheitlicher Regulierungsrahmen, der nationale Unterschiede innerhalb der EU weitgehend überbrückt. Von betroffenen Instituten erfordert dies eine vorausschauende, strukturierte Anpassung ihrer Compliance‑Architektur.
Auch Schweizer Marktteilnehmer können in den Geltungsbereich europäischer Regelungen fallen – etwa über Tochtergesellschaften, grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen oder aufsichtsrechtliche Erwartungen an gruppenweite Standards. Folglich stehen auch sie vor der Aufgabe, ihre Gruppen‑ und Geschäftsprozesse an das künftige EU‑Niveau heranzuführen. Damit wird das Zusammenspiel zwischen EU‑ und Schweizer Aufsichtsrecht zu einem zentralen strategischen Thema.